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Kolmannskuppe, verlassene Diamantengräberstadt in der Namib

Die Gründung der Siedlung Kolmannskuppe oder auch Kolmanskop in Südwestnamibia geht auf die Zeit des großen Diamantenrauschs zurück. Der Ortsname verweist auf ein Erlebnis des Namas Coleman, der hier im Wüstensand eine “Wagenpanne” mit seinem Ochsenkarren hatte.
Krankenhaus von KolmanskuppeEr selbst wurde zwar aus seiner misslichen Lage gerettet, musste jedoch das im Sand stecken gebliebene Fahrzeug zurücklassen. 1908 fanden die Eisenbahnarbeiter Zacharias Lewala und August Stauch an einer nahe gelegenen Bahnhofsstation einen Diamanten. Diese Entdeckung sprach sich in Windeseile herum – Auftakt für allgemeine Diamantengräber-Stimmung. Ein Diamanten-Sperrgebiet wurde errichtet, was der Öffentlichkeit den Zugang verwehren sollte, während man im wahrsten Sinne die Wüste umgrub. Mitten aus dem Ödland spross 10 Kilometer östlich der Hafenstadt Lüderitz die Siedlung Kolmanskop als Quartier für die Arbeiter der Diamantenfirma. Man muss sich die Stadt wie ein aus der Wüste gestampftes kleines Las Vegas des angehenden 20. Jahrhunderts mit allem erdenklichen Luxus der Zeit vorstellen. Zu der modernen Infrastruktur gehörten ein eigenes Elektrizitätswerk sowie ein Krankenhaus auf dem neuesten Stand der damaligen Technik. Das Spital verfügte über eine Röntgenstation, die erste überhaupt auf der gesamten südlichen Erdhalbkugel. Moderne Verwaltungsgebäude, eine Eisfabrik für die “Kühlschränke” der Einwohner, mehrere Läden, eine Metzgerei, ein Ballsaal, ein Theater, ein Kasino, eine Turnhalle, eine Großküche, ein Kegelclub und eine Schule ließen die Einwohnerzahl rasch ansteigen. Kegelbahn auf KolmanskuppeSogar ein Schwimmbad, gespeist von Atlantikwasser, trug zum guten Leben in der ansonsten lebensfeindlichen Umgebung bei. Wasser und Waren des alltäglichen oder nicht alltäglichen Bedarfs wurden eigens aus dem 1000 Kilometer entfernten Kapstadt herbeigeschafft. Viele Konsumgüter und Luxuswaren importierte die deutsche Kolonialmacht über den nahe gelegenen Hafen von Lüderitz. Die Deutschen residierten in herrschaftlichen Anwesen nach dem Vorbild ihrer Heimat, während die angestellten Einheimischen in Baracken am Stadtrand hausten. Mit allem Komfort ausgestattet entwickelte sich Kolmannskuppe für kurze Zeit zur wohlhabendsten Stadt des Kontinents. Dieser Reichtum hielt allerdings nur so lange, wie Diamantenfunde den Luxus zu unterhalten vermochten. Der Hotspot des Diamantenfiebers verlagerte sich bald in den 30 Kilometer entfernten Ort Elisabethbucht. Dort errichtete man mächtige Industrieanlagen, um die begehrten Edelsteine in großem Stil zu fördern. Dieser Diamanten-Rausch wurde durch die Anbindung an die Eisenbahnlinie logistisch weiter angeheizt. kolmannskuppe WarnschikdGüterwägen transportierten den Schutt aus Sand und Kies ab, welcher sodann gesiebt und mit herangepumptem Atlantikwasser gewaschen wurde. Jeden Tag holten die Arbeiter rund 200 Gramm Rohdiamanten aus bis zu 10.000 Tonnen Sand. Vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurden auf diese Weise mehr als 1000 Kilogramm Diamanten gefördert. Nach Kriegsende erwiesen sich die Reserven jedoch bald als erschöpft; der einstige Boom versickerte wieder im Wüstensand. 1930 kam der hiesige Diamantenabbau komplett zum Erliegen, was Kolmanskuppes kurzer ruhmreicher Phase ein rasches Ende bereitete. Die einstigen Boomtowns Kolmanskop und Elizabeth Bay wurden verlassen, vergessen und blieben als Geisterstädte in trostloser Landschaft zurück. Die ihrer Existenzgrundlage beraubten Bewohner kehrten der einstigen “Diamantengrube” den Rücken und versuchten andernorts ihr Glück. Der Wüstensand wehte bald durch die zersplitterten Türen und Fenster Kolmanskops und eroberte sich sein Territorium zurück. Sofas, Schränke und Badewannen versanken nach und nach im Sandmeer – ein Atlantis der Wüste.
Ladenstrasse in KolmannskuppeAls man den morbiden Charme der Geisterstadt in den 1990er Jahren erkannte, widmeten sich Museumsinitiativen der Restauration von Kolmannskuppe als einer Art Freilandmuseum, als welches es heute den Besuchern eine Reise in die Zeit des Diamanten-Booms beschert. Die Namib-Wüste zwischen Lüderitz und Oranje ist bis heute Diamanten-Sperrgebiet, das die Diamantenfirma NAMDEB beansprucht. Auf dem Weg von Lüderitz ins Landesinnere ist die Ghosttown ein beliebtes Ziel bei Fotografen. Den Besucher erwarten atmosphärische Impressionen, die einen Hauch aus der Vergangenheit heraufbeschwören. Geführte Touren werden ab Lüderitz angeboten. Wer auf eigene Faust einen Ausflug plant, muss dazu vorher ein gesonderte Zugangs-Genehmigung (Permit) erwerben.